Samstag, 19. Februar 2022

Notizen Februar 2022

Notizen Februar 2022



Michel Houellebecq (*1958)

Serotonin (2019)
Ein sehr unterhaltsames Buch - mindestens in der ersten Hälfte des Werks voll von unglaublich amüsanten Ergüssen eines ernüchtert-depressiven Mannes, die zweite Hälfte wird dann ernster...
Voll von scharfen Beobachtungen, klugen Diagnosen und beißendem Spott.
Und gegen Ende dann die bedrückend-ergreifende Chronik der Depression eines nur zu typischen Vertreters eines europäischen Bürgers der frühen 21. Jahrhunderts...


Philip Roth (1933 - 2018)

Portnoys Beschwerden (1969)
Ich würde dieses Buch den "Blueprint" zu allen frühen Filmen Woody Allens nennen. Hier findet sich in kondensierter Form das Universum Allens, die Themen, die Charaktere, das Lebensgefühl.
Was in den 1960er Jahren des 20. Jahrhunderts einen Skandal hervorgerufen hat, ist heute amüsant, unterhaltsam, wirkt wohl kaum noch schockierend.
Jedenfalls großartige, unterhaltsame Lektüre und in seiner Art ein Meilenstein der Literatur.

Donnerstag, 6. Januar 2022

Notizen Jänner 2022

Notizen Jänner 2022


2021 habe ich folgende Bücher gelesen: 
  • Stefan Zweig (1881 - 1942) - Die Welt von Gestern (1942) - meine "Wieder"-Entdeckung des Jahres
  • Anthony Burgess (1917 - 1993) - Earthly Powers (1980)
  • Anthony Powell (1905 - 2000) - A Question of Upbringing (1951)
  • Gore Vidal  (1924 - 2012) - Myra Breckinridge (2019)
  • Graham Greene (1904 - 1991) - Ways Of Escape (1973)
  • Emily Bronte (1818 - 1848) - Wuthering Heights (1847)
  • Norman Mailer (1923 - 2007) - The Deer Park (1955) - zurückgelegt, noch nicht gelesen
  • Philippe Djian (*1949) - 37,2° le matin, dt.: Betty Blue – 37,2 Grad am Morgen (1985)
  • Zadie Smith (*1975) - Grand Union (2019)
  • Zadie Smith (*1975) - Intimations (2020)
  • Philip K. Dick (1928 - 1982) - We Can Remember It For You Wholesale (1966)
  • Jorge Luis Borges (1899 - 1986) - Der Unsterbliche (1947)
  • Anna Seghers, d.i. Netti Reiling (1900 - 1983) - Transit (1944) - nach ca. 1/4 weggelegt
  • Andrew O'Hagan (*1968) - The Secret Life: Three True Stories of the Digital Age (2017)
  • Graham Greene (1904 - 1991) - The Honorary Consul (1973)
  • Kazuo Ishiguro (*1953) - Klara und die Sonne (2021)
  • Thomas Pynchon (*1937) - Bleeding Edge (2013)
  • Eugène Sue (Joseph-Marie Sue) (1804 - 1857) - Die Geheimnisse von Paris (1842 - 1843) - nach ca. 1/4 weggelegt, doch etwas langwierig
  • Algernon Blackwood (1869 - 1951) - Besuch von drüben (Sammlung von Erzählungen aus den Jahren 1899 - 1908)
  • Graham Greene (1904 - 1991) - The Third Man (1950) 
  • John Galsworthy (1867 - 1933) - The Man Of Property (1906) 
  • Harold Adrian Russell "Kim" Philby (1912 - 1988) - My Silent War (1967) 
  • Joseph Conrad (1857 - 1924) - The Heart of Darkness (1902) 
  • Graham Greene (1907 - 1991) - The Human Factor (1978) 
  • Graham Greene (1904 - 1991) - The Quiet American (1955) 
  • Graham Greene (1904 - 1991) - The Comedians (1966)
  •  


Francois Mauriac (1885 - 1970) 


Natterngezücht (1932) 

Erstmals und zuletzt 2004 gelesen. Ich hatte diesen kurzen Roman doch anders in Erinnerung, als er sich mit heute darstellt...ich habe die Hauptfigur als kälter, souveräner in seinem Hass wahrgenommen - heute stellt sich mir der sterbende, alte Mann eher jämmerlich, fast verzogen-weinerlich dar...









Stanley G. Weinbaum (1902 - 1935) 

Pygmalions Spectacles (1935)

Die älteste, mir bekannte Phantasie rund um "Virtual Reality", ein ähnlich zukunftsweisender Keim einer Science Fiction-Idee wie Fletcher Pratts City of the Living Dead (1930).



Michel Houellebecq (*1956) 


Karte und Gebiet - Le carte et le territoire (2010) 

Begonnen...langsamer und milder als seiner früheren Romane wie Plattform usw...
Letztlich der Houellebecq Roman, der mich am meisten überzeugt...insgesamt m.E. sein gelungenster.

Mittwoch, 1. Dezember 2021

Notizen Dezember 2021

Notizen Dezember 2021




Stefan Zweig (1881 - 1942
)

Die Welt von Gestern (1942)
Ich muss zugeben, dass mich dieses Buch als Jugendlicher gelangweilt hat.
Damals, in den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts lebte ich, ähnlich wie Zweig in den letzten Jahren der Donaumonarchie in der beinahe dekadenten Gleichförmigkeit einer neuen Sicherheit...ja, wir existierten zwar im Angesicht einer Zweiteilung der Welt, wir lebten sogar mit der Gefahr der Auslöschung der Menschheit durch einen "nuklearen Holocaust", aber die weltpolitischen und nationalen Gefüge waren so stabil geworden, dass fast niemand die Möglichkeit der Katastrophe als real wahrnahm. Kaum jemand erwartete noch, dass die Sowjetunion die USA angreifen würde, von der sie ja mit lebensnotwendigem Getreide beliefert wurde oder, dass die Vereinigten Staaten dem Warschauer Pakt den Krieg erklären würde, mit dem sie dabei so gute Geschäfte machten. Die Auslöschung der Menschheit schwebte zwar über uns, die Wahrscheinlichkeit ihres Eintretens wurde aber ungefähr so beurteilt, wie der leidenschaftliche Zigarettenraucher die Möglichkeit seines Todes durch Lungenkrebs einschätzt.
In Westeuropa und im westlichen Mitteleuropa herrschte Wohlstand, soziale Sicherheit und Friede wie noch nie zuvor. Selbst der Klassenkampf schien in Ländern wie Österreich, der Schweiz oder Schweden obsolet geworden zu sein, da es eine ungeschriebene Übereinkunft gab, gemäß derer sich wohlhabende Menschen moderat bereicherten, im Gegenzug wurde ein Arbeits- und Sozialsystem aufgebaut, das jeder Staatsbürgerin und jedem Staatsbürger das finanzielle Auslangen ermöglichte, sofern diese auch nur über minimale Fähigkeiten verfügten oder die Bereitschaft zeigten, ein Minimum an Aufwand zu leisten. In Österreich wurde dieses System "Sozialpartnerschaft genannt". Soziale Abstiege und wirtschaftliche Schicksalsschläge existierten beinahe ausschließlich auf individueller Ebene, nicht als signifikant verbreitete soziale Phänomene. Leistungen des Gesundheitswesens und Bildung konnten kostenfrei bezogen werden, Menschen, die nicht zur Arbeit fähig oder willig waren, konnten mit Arbeitslosengeld auf unbeschränkte Zeit, manchmal bis an ihr Lebensende ein bescheidenes Auslangen finden.
Trotzdem herrschte in der (Jugend-) Kultur dieser Zeit eine gewisse Untergangsstimmung, der man in dekadenter "No Future" Manier gleichgültig, in Einzelfällen anarchistisch- destruktiv, manchmal aber engagiert begegnete - die Schreckensbilder, gegen die Jugendliche sich engagierten waren: Untergang der Menschheit durch (Atom-) Krieg, Umweltzerstörung, Ressourcenknappheit oder technologische Katastrophen, aber all das konnte man in Europa bequem im Fernsehen von der weichen Couch konsumieren.
Außerhalb von Europa oder den wohlhabenden Bevölkerungsschichten Nordamerikas, schon 50 Kilometer entfernt, in den "Kommunistischen Staaten", hinter dem "Eisernen Vorhang" und erst recht in den armen Ländern Südamerikas, Afrikas oder Asiens, sah die Welt natürlich völlig anders aus. Aber auch diese Information, diese Bilder, konnte man in Europa recht behaglich in Fernsehen konsumieren.

Mit dem Untergang des politischen "Ostblocks" und der kommunistischen Staatssysteme sowie der technischen Evolution, und dort speziell der Revolution der Informationstechnologie, setzte eine Form der Globalisierung ein, die den inneren Zweck haben dürfte, diese Schieflage, diese letzte globale Ungerechtigkeit der bis an die völlige Recht- und Chancenlosigkeit grenzende Benachteiligung vieler Bürger der Staaten außerhalb Europas und Nordamerikas zu beseitigen. (Ähnliche Ungleichheiten bestanden in Westeuropa bis vor ca. 200 Jahren zwischen Adel und Nicht-Adel und bis vor etwa 100 Jahren zwischen Besitz (Bürgertum & Aristokratie) und besitzlosem Proletariat.)
In ihrer Übergangszeit entfaltet dieser Umbruch, der in den 1990er Jahren begonnen hat, eine gesellschaftliche und wirtschaftliche Dynamik, die zwar innerhalb von Europa noch nicht die handfeste Dramatik der Weltkriege und der Zwischenkriegszeit erreicht hat, aber weltweit betrachtet bringt sie noch größere Umwälzungen mit noch größerer Geschwindigkeit mit sich, als alle Zeiten der Veränderung zuvor.

Und speziell vor diesem Hintergrund ist dieses Buch, das Zweig im Angesicht seiner völligen Entwurzelung, die er in diesem reißenden Sog erleiden musste, in den letzten Monaten vor seinem Selbstmord im Exil geschrieben hat, heute so wieder so aktuell und meines Erachtens für Menschen auf der ganzen Welt relevant - für Europäer ebenso sehr wie für Bürgerinnen oder Bürger Indiens, Chinas, des Iran oder Ghanas ...

Montag, 8. November 2021

Notizen November 2021

Notizen November 2021



(John) Anthony Burgess (Wilson) (1917 - 1993)


Earthly Powers (1980)
...begonnen & und vom ersten Kapitel an mitgerissen. An Zynismus und Wortwitz fast nicht zu übertreffen. 

Auch wenn der berühmte Eröffnungssatz als zu reißerisch kritisiert wurde - der Autor ist sich dessen bewusst, reflektiert und relativiert diesen Satz sofort.
Ebenso wie bei Gore Vidal verwundert dieser tiefgründige und facettenreiche Umgang mit Themen wie Homosexualität und religiösen Ressentiments im Angesicht der verbissenen, eindimensional evangelisierenden Zugangsweise unserer Zeit. Erfrischend unterhaltsam und auf so viel Ebenen zur Reflexion einladend.
Wobei sich mir die Frage aufdrängt, ob es heute vom akademischen Mainstream noch als "politisch korrekt" akzeptiert werden könnte, dass ein heterosexueller Mann (noch dazu einer, der öffentlich häufig konservative Überzeugungen vertreten hat) einen Roman mit einem homosexuellen Ich-Erzähler verfasst. Aber glücklicherweise kann man die Vergangenheit nur bedingt ändern und uns wurde dieses groteske Werk geschenkt, das durchaus Lesevergnügen beschert.
Eine unglaubliche Reise durch das 20. Jahrhundert, auf der viele "große" Themen auftauchen, u.a. die künstlerische Avangarde der Zwischenkeirgszeit, Homosexualität und die dazugehörige Szene - auf allen Gesellschaftsschichten, Welt & Werte des Katholizismus, das Aufkommen des Faschismus, Britischer Kolonialismus (am Beispiel Malaysias, wo Burgess als Lehrer selbst tätig war),  die Unterhaltungsbranche, die Vermarktung der Kunst, der Wandel der Rolle der Frau in der westlichen Gesellschast, und vieles mehr ... aber eben nicht dogmatisch, einseitig, naiv-aufklärereisch, sondern differenziert, oft bissig, zynisch ... zum Denken anregend, nicht uns das Denken abnehmend!

Anthony Burgess erlangte durch "A Clockwork Orange" Berühmtheit und inszenierte sich in den 1970er Jahren offensichtlich in den Medien als "großer Schriftsteller" ... in seinen Interviews und seiner Auseinandersetzung mit Graham Greene erschien er mir bisher eher als unliebenswürdiger Selbstdarsteller mit Alkoholproblem.
Sein Werk "1985" ist bemerkenswert, in seiner Ausrichtung aber doch etwas plump antisozialistisch.
Aber Earthly Powers erscheint mit als einer der bemerkenswertesten Romane der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Großartig, geradezu ein Umberto Eco, der beißen kann ... mit britischem Scharfsinn und Witz. 


Anthony Powell (1905 - 2000)


A Question of Upbringing (1951)
Leider parallel begonnen - der erste Band aus dem monumentalen Romanzyklus (1951 - 1975). Fesselnd vom ersten Absatz an...

Nun muss ich mir die folgenden Romane ebenfalls vornehmen:
A Buyer's Market (1952)
The Acceptance World (1955)
At Lady Molly's (1957)
Casanova's Chinese Restaurant (1960)
The Kindly Ones (1962)
The Valley of Bones (1964)
The Soldier's Art (1966)
The Military Philosophers (1968)
Books Do Furnish a Room (1971)
Temporary Kings (1973)
Hearing Secret Harmonies (1975)


Alessandro Scarlatti (1660 - 1725)

Dormi o fulmine di guerra, aus 
La Giuditta, Oratorium (1697)


Claudio Monteverdi (1564 - 1643)

Pur ti mio, Arie aus
L’incoronazione di Poppea, SV 308 (1643)


Lamento della Ninfa, 
aus "Madrigali guerrieri ed amorosi (1638)
(Ottavo Libro de' Madrigali)
I: Non havea Febo ancora
II: Amor, dicea
III: Si, tra sdegnosi pianti


Donnerstag, 30. September 2021

Notizen Oktober 2021

Notizen Oktober 2021


Gore Vidal  (1924 - 2012)

Myra Breckinridge (2019)
...begonnen...verwunderlich, dass dieses Werk heutzutage nicht mehr Beachtung findet - speziell vor in Anbetracht der starken Präsenz diverser Transgender und "Diversity" Themen. 
Gore Vidal war vor einem halben Jahrhundert einer der bekanntesten Autoren der Welt, Burgerschreck mit starker Präsenz in den US Medien, ähnlich wie Michel Houellebecq im Frankreich der 2000er Jahre.  
Soweit mir bekannt wurde dieser Roman seit über 30 Jahren nicht mehr in Deutscher Sprache aufgelegt...
Vermutlich ist das Werk zu satirisch, zu differenziert, zu wenig eindimensional, um heute noch Anklang finden zu können.
Schon auf den ersten Seiten voll von bösartigen Bonmots - sehr unterhaltsam. Mir ist schleierhaft, wie man diesen Text im Jahre 1970 verfilmen konnte -jedenfalls mit geringem Erfolg, aber mit damals prominenten Darstellern wie Raquel Welch, John Houston und Farrah Fawcett ...


Graham Greene (1904 - 1991)

Ways Of Escape (1973)
Wiederaufgenommen...Graham Greene "versteckt" sich hier beinahe hinter einer Abfolge von Kapiteln, die wie gesammelte Vorworte zu seinen Werken scheinen.
Das ganze wirkt daher, an der Kategorie Autobiographie gemessen, eher unpersönlich - wer aber Greenes Bücher gelesen hat und/mag und an einer Tour der Force durch die politischen Krisen und Krisenherde des 20. Jahrhunderts interessiert ist: definitiv lesenswert, für mich faszinierend.
Bei dieser Gelegenheit bin ich auf die Kritik des späten Anthony Burgess an Greene gestoßen...abgesehen von Burgess' abstoßender Angeberei, wer mehr Alkohol vertrüge und Unterstellungen in Hinsicht auf Greenes Verhältnis zum Doppelagenten Kim Philby hat die Geschichte offensichtlich zugunsten Greenes entschieden - Burgess kennt im deutschsprachigen Raum heute kaum noch jemand . und wenn, dann nur als Autor der Buchvorage zu Kubricks Film "A Clockwork Orange"... seinen Roman "Earthly Powers" und die malysische Trilogie plane ich jedenfalls zu lesen.



Emily Bronte (1818 - 1848)

Wuthering Heights (1847)
...begonnen...großartig und in der Monströsität der emotionalen Verhältnisse der (erweiterten) Familienmitglieder äußerst bemerkenswert und überraschend modern.
Bei aller äußerlichen Altertümlichkeit fasziniert vor allem der Wechsel in den Konstellationen zwischen den Individuen, die Entwicklung der Empfindungen zueinander - und das alles im besten Sinne mehr "beobachtend" als wertend dargestellt.
Wahrhaft lesenswert, jenseits seines "Ruhms" ein Klassiker der Englischen Literatur zu sein.







Norman Mailer (1923 - 2007)

The Deer Park (1955)
...begonnen...und hintangestellt, denn begonnen mit: 



Philippe Djian (*1949)

37,2° le matin, dt.: Betty Blue – 37,2 Grad am Morgen (1985)
Wieder so ein Buch, das ich in zur Zeit seiner Ersterscheinung in meiner Jugend (v.a. aufgrund des Hypes um dieses Werk und den Film) abgelehnt und mich zu lesen geweigert habe.
Gute 35 Jahre später ist das Werk abgelegen, der Lärm verhallt, ich toleranter geworden, bzw. etwas nostalgisch-sentimental...die Übersetzung in bundesdeutsche Alltagssprache hat aber immer noch Fremdschäm-Potential...diese "haste", "kannste", "biste", usw. Floskeln, um Umgangsspachlichkeit darzustellen sind mir einfach zu gezwungen, wirken unerträglich...egal, ich will nicht urteilen, bis ich die letzte Seite gelesen habe.
Offensichtlich ein Text, den Despentes gut kennt und ihm auch viel zu verdanken hat.
Am Ende bleibt dann doch der Überdruss an gekünstelten Formulierungen, wie dass sich "Stille wie Honig über den Raum ergoss" und dergleichen Unfug...solche Formulierungen finden sich mit ermüdender Regelmäßigkeit alle 3-10 Seiten. Schneller umgangssprchlicher Erzähl-Duktus...immer wieder unterbrochen durch diese gezwungen lyrischen Bilder.
Auch die Innenperspektive des Erzählers wirkt ähnlich unangenehm wie in Beigbeder's Un roman français - beständig stellt sich der Eindruck ein, dass die eigentlich treibende Kraft die Konflikte im Seelenleben eines (emotional) wehleidigen jungen Mannes sind, der, kaum der Selbstkritik fähig, sich permanent in seiner Innenperspektive verheddert.
Und dann diese "Crime - Thriller" Elemente, die in der französischen Literatur seit den 1960er Jahren so gern nach Vorbild des US-Kinos eingeflochten werden...einfach unerträglich.
Da meine Teenagerjahre in die 1980er Jahre fallen, bleibt mir aus subjektivem Empfinden doch ein  angenehm-wehmütige Nachgeschmack von Post-Punk "No Future" Lebensgefühl, das sich in teilweise gelungenen Passagen immer wieder dargestellt findet.
Ansonsten kann ich dem Buch auch heute noch nicht viel Positives abgewinnen...zugegeben mag viel daran auch an der deutschen Übersetzung liegen.

Montag, 6. September 2021

Notizen September 2021

Notizen September 2021



Zadie Smith (*1975)

Grand Union (2019)
Die Sammlung von Stories begonnen ... mit "Downtown". Eine Enttäuschung - so viel us-amerikanische Tagespolitik, so stark in journalistische Details verstrickt, dass es für den Europäer, der mit den Politskandalen der USA nicht so vertraut ist, etwas Recherche bedarf, um den Sinn hinter den Anspielungen auf Brett (Kavanaugh) und Dr. Ford zu verstehen...wie wird es erst dem Leser im Jahre 2119 ergehen...
Dann tauchen da wiederum sehr interessante und scharfsinnige Gedanken zu den Unterschieden der Wahrnehmung des eigenen Selbst zwischen Afroamerikanern, Menschen mit afrokaribischem Hintergrund und afrikanischer Herkunft im Angesicht des Erlebens rassistischer Gewalt auf...dann die stark abweichenden Aspekte afro-karibischer Frauen zum Thema Gewalt gegen Frauen...vieles schwingt da mit...teilweise kryptisch verpackte Gedanken, die in einem Essay didaktisch eindeutiger nachzuvollziehen wären, als in diese an Handlung armen "Geschichte"... es kann nur besser werden.

Zadie Smith (*1975)

Intimations (2020)
Belangloser Journalismus...so sehr ich Smith' Romane schätze...

Shades of Greene, Essay (2004)
Eine reicht positive Bewertung von Graham Greene durch die damals noch sehr junge Zadie Smith.

A Brexit Diary, Essay (2016)
Auffallend positiv ist der sehr differenzierte Blick aus mehreren Blickwinkeln und die häufig geäußerte Kritik an der unreflektierten Ablehnung jeglicher "Anit-Brexit" Haltung als einfache "Dummheit des ungebildeten Volkes.
Interessant ist auch der homorvolle aber selbskritische Hinweis, dass das wesentliche Betreben auch der "gebildeten" Klasse vor allem zu sein scheint, Recht zu haben.
Das Beispiel mit der Auflösung der Republik Jugoslawien am Ende des Essays ist m.E. allerdings missglückt. Korrekt ist, dass diese Auflösung teilweise von redikal nationalistischen Ideen befeuert wurde und in Kriege führte.
Ob das Leben für die Mehrzahl der Bürger der Nachfolgestaaten ein Viertel Jahrhundert nach dem Zerfall Jugoslawiens nicht deutlich besser ist, als in der Sozialistischen Föderativen Republik Jugoslawien, wäre aber schon bedenkenswert.
Und die Europäische Union im Zusammenhang des Auseinanderfallens mit der totalitären Sozialistischen Föderativen Republik Jugoslawien zu vergleichen würde daher bedeuten, dass .... ?


Philip K. Dick (1928 - 1982)

We Can Remember It For You Wholesale (1966)
Die Vorlage für die beiden "Total Recall" Filme - der ältere Fil mwar da doch deutlich näher an der Kurzgeschichte, die aber eher arm an äußerer Handlung ist - und die zweite Handungsstrang mit der Erinnerung an die potentielle Invasion der Erde durch Aliens "in der Größe von Feldmäusen" fand in keinem der Filme Eingang...diese Phantasie des 9 Jährigen Douglas Quail rückt die ganze Story in einen völlig anderen Kontext als in den Filmen ausgedrückt wurde bzw. werden kann...


Jorge Luis Borges (1899 - 1986)

Der Unsterbliche (1947)
...


Luca Sorkocevic (1734-1789)

Symphonie Nr. 1 in D-Dur

Symphonie Nr. 3 in D-Dur

Symphonie Nr. 4 in F-Dur

Symphonie Nr. 5 in D-Dur

Symphonie Nr. 7 in G-Dur

Sonntag, 22. August 2021

Notizen August 2021


Notizen August 2021


Anna Seghers, d.i. Netti Reiling (1900 - 1983)


Transit (1944)

Begonnen....

Andrew O'Hagan (*1968)

The Secret Life: Three True Stories of the Digital Age (2017)

Der erste Essay "Ghosting" über Julian Assange wirkt etwas planlos...man gewinnt den Eindruck des ständigen Umkreisens von Information oder Inhalt...ich gebe zu, immer wieder auf gehaltvolle Geschichten aus Assanges Leben gewartet zu haben...aber O'Hagan bleibt bei der Darstellung von Assanges "Grundkonflikt": offensichtlich wollte Julian Assange eine Autobiographie vorlegen, sich aber nicht auf Fakten aus seiner Lebensgeschichte festlegen lassen & und weiterhin als heldenhafte, ungreifbare Cyber-Legende durch die Geschichte spuken.
Daher ist dieser Essay eben arm an Fakten über die Hauptfigur & das von O'Hagan durchaus gewollt, aber für mit Assanges Biographie weniger vertrauten Lesern wie mir letzlich etwas unbefriedigend...nach über 100 Seiten... Meine Bedenken sind insofern zwar nicht gerechtfertigt, da es O'Hagan in erster Linie darum geht zu erklären, warum das Projekt einer Autobiographie Assanges gescheitert ist. Aber dieser lange Essay ist daher nicht sehr ... wie soll man sagen ... informativ oder unterhaltsam ... & klingt eher wie die Rechtfertigung des Scheiterns des Projekts Assanges Autobiographie zu "ghostwriten".
Die spärlichen Daten aus Assanges Leben, aus dutzenden Stunden Interviews gewonnen, sind - nie durch Assange autorisiert - eben woanders nachzulesen: im 2011 erschienenen Buch: Julian Assange - The Unauthorised Autobiography. 
Im dritten, kürzesten Abschnitt, "The Invention of Ronnie Pinn", berichtet O'Hagan von seinem Versuch mit der Identität eines 1984, im Alter von 20 Jahren verstorbenen Londoners eine neue Identität für "Online-Aktivitäten" zu konstruieren und in "Dark Web Waffen und Drogen zu kaufen: lesenswert, unterhaltsam, aber in keinem Detail überraschend oder neu.
Vermutlich der einzige Essay, den der Leser anhand des Titels dieser Anthologie erwartet. Essay Nummer 1 und 2 kreisen eher um die Besonderheiten bekannter "identitätsloser" Persönlichkeiten der bekannten Internet-Welt.
Während der erste Essay um Julian Assange und die gewollte Unfass-/Ungreifbarkeit dieser "Cyber-Legende" kreist, widmet sich Teil 2 dem bis heute ungeklärten "Identitätskonstrukt" Satoshi und im kurzen Essay Nummero 3 geht O'Hagan selbst daran, in einem Experiment eine Identität zu erschaffen...um damit etwas Unfug hart an und über der Grenze der Legalität anzustellen und diese "Person" dann wieder verblassen zu lassen.
Insgesamt ein stimmiges Konzept, wunderbar beobachtet, recherchiert und mit ebenso viel Witz und Empathie geschrieben, aber etwas lang(atmig) und sicher nicht das, was sich der Leser unter dem Genre "Enthüllungen geheimster Aspekte des Internets" erwartet.
Der Widerspruch hier besteht zwischen solidem & geistreichem schriftstellerischem Schaffen und reißerischer Punchline. 
Enttäuschung beim sensationslustigen Publikum vorprogrammiert.

Franz Schubert (1797 - 1828)

Sechs Moments musicaux D. 780, op. 94 (1823 - 1828)

C-Dur. Moderato
As-Dur. Andantino
f-Moll. Allegro moderato
cis-Moll. Moderato
f-Moll. Allegro vivace
As-Dur. Allegretto

z.B. Alfred Brendel, am Klavier: https://www.youtube.com/watch?v=0WDQL_X7Euk