Donnerstag, 18. März 2021

Notizen März 2021

 Notizen März 2021




John Galsworthy (1867 - 1933) 

The Man Of Property (1906) 
...begonnen. Ein Nobelpreisträger, der wohl in Großbritannien noch häufig gelesen wird, im deutschsprachigen Raum wohl kaum.



Harold Adrian Russell "Kim" Philby   (1912 - 1988)

My Silent War (1967) 
Wohl der berühmteste Doppelagent des Kalten Krieges aus Großbritannien. Sehr unterhaltsam zu lesen...mit gewaltiger Wirkung auf die Unterhaltungsliteratur des Genres "Agententhriller" (Le Carre, Forsythe, ...) und die Alltagskultur des 20.Jahrhunderts.


Franz Liszt

Années de pèlerinage I (Suisse)

1. Chapelle de Guillaume Tell (Wilhelm−Tell-Kapelle) - Liszts Motto: „Einer für alle – alle für einen.“
2. Au lac de Wallenstadt (Am See von Walenstadt bzw. Am Walensee) – Liszts Motto nach Byrons Childe Harolds Pilgrimage (Canto 3 LXVIII - CV): “Thy contrasted lake / With the wild world I dwell in is a thing / Which warns me, with its stillness, to forsake / Earth's troubled waters for a purer spring.”
3. Pastorale
4. Au bord d'une source (An einer Quelle) – Liszts Motto stammt von Schiller: „In säuselnder Kühle / beginnen die Spiele / Der jungen Natur.“
5. Orage (Sturm) – Liszts Motto nach Byrons Childe Harolds Pilgrimage (Canto 3 LXVIII - CV): “But where of ye, O tempests! is the goal? / Are ye like those within the human breast? / Or do ye find, at length, like eagles, some high nest?”
6. Vallée d'Obermann (Das Obermann-Tal) – Das erste Motto zitiert aus Senancours Briefroman Obermann die bedeutsamen Fragen: « Que veux-je? Que suis-je? Que demander à la nature? … ». Das zweite Motto stammt abermals aus Byrons Childe Harolds Pilgrimage: “Could I embody and unbosom now / That which is most within me,--could I wreak / My thoughts upon expression, and thus throw / Soul--heart--mind--passions--feelings--strong or weak-- / All that I would have sought, and all I seek, / Bear, know, feel--and yet breathe--into one word, / And that one word were Lightning, I would speak; / But as it is, I live and die unheard, / With a most voiceless thought, sheathing it as a sword.”
7. Eglogue (Hirtengesang) – Liszt stellt dem Stück mit der Überschrift Eglogue (Hirtengesang) / De l’expression romantique et du ranz du vaches einen Text aus Obermann von Senancour voran.
8. Le mal du pays (Heimweh)
9. Les cloches de Genève: Nocturne (Die Glocken von Genf: Nocturne)


Alessandro Marcello (1684~1750) 

Concerto per Oboe, Archi e Basso Continuo in re minore, SF 935 - Op.1 (1717)

Freitag, 5. Februar 2021

Notizen Februar 2021

Notizen Februar 2021




Joseph Conrad (1857 - 1924) 


The Heart of Darkness (1902) 
...wieder gelesen & wieder hin und hergerissen zwischen der Spannung die sich im Verlauf der kurzen Geschichte aufbaut und der Langatmigkeit des Werks.
Im Anschluss den Film "Apokalypse Now" aus dem Jahre 1979 angesehen - auch erstmals seit ca. 1989. Ich dachte, ich könnte im Alter einen wohlwollenderen Zugang zu diesem Film Scorseses finden, aber die übertriebene Bildersprache ab dem Überschreiten der Grenze zu Kambodscha zur Mitte des Films ist mir immer noch zuwider - mit den Lichterketten und Leuchteffekten...die im Camp von Kurtz überall herumliegenden Leichen und Körperteile sind auch zu sehr bemühtes "Inferno-Feeling". 

Interessant erscheint mir auch der Rassismus-Vorwurf Chinua Achebes in seinem Essay "An Image Of Africa".
Natürlich ist die Sprache, in der Conrad Afrikaner beschreibt heute inakzeptabel - sie spiegelt die Ignoranz seiner Zeit, den Horizont des Humanismus im Europa um 1900 wieder...Conrad Rassismus vorzuwerfen erscheint aber genauso unangebracht wie einem Angehörigen der Bantu im Uganda des Jahres 1900 Analphabetismus vorzuwerfen. 


Graham Greene (1907 - 1991) 

The Human Factor (1978) 
Ein wunderbares Buch. Galt weder Greene selbst noch seinen Kritikern als eines seiner besten Werke...ich muss gestehen, dass es mir aber eines der liebsten ist...es wirkt auf mich als wäre es einer seiner persönlichsten Texte.

Sonntag, 10. Januar 2021

Notizen Jänner 2021

Notizen Jänner 2021


2020 habe ich folgende Bücher gelesen: 
  • Gottfried Keller (1819 - 1890) - Der Grüne Heinrich (1854-55 / 1879/80) 
  • John Galsworthy (1867 - 1933) - Die Dunkle Blume (1913) 
  • Laurence Manning (1899 – 1972) & Fletcher Pratt (1897 – 1956) - The City of the Living Dead (Mai 1930 in Wonder Stories) 
  • Guy de Maupassant (1850 - 1894) - Der Horla (1886/87) 
  • Renate Welsh (*1937) - Kieselsteine (2019) nach ca. 3/4 weggelegt, ist zwar ein kleines Werk, aber war dann doch zu belanglos, um mein Interesse aufrecht erhalten zu können
  • Jules Verne (1828 - 1905) - Die 500 Millionen der Begum (1879) 
  • August Strindberg (1849 - 1912) - Inferno  (1897) 
  • John Galsworthy (1867 - 1933) - A Man Of Property  (1906) ...hintangestellt - stattdessen begonnen:
  • Haruki Murakami (*1949) - Gefähliche Geliebte, Kokkyo No Minami, Tayo No Nishi  (1992, ft. 2000) 
  • Matthew Phipps Shiel (1865–1947) - The Purple Cloud (1901)...nie beendet, 2x weggelegt
  • Marguerrite Duras (1914 - 1996) - L’amant (1984, 1985 dt. als "Der Liebhaber") 
  • Albert Camus (1913 - 1960) - Die Pest (1947) 
  • Trueman Capote (1924 - 1984) - Breakfast at Tiffany’s (1958) 
  • Marguerite Duras (1914 - 1996) - L’amant de la Chine du Nord (1991, 1993 dt. als "Der Liebhaber aus Nordchina") 
  • Jean Rhys (1890 - 1979) - Quartet (1928)
  • Marguerite Duras (1914 - 1996) - Moderato Cantabile (1958)
  • Oliver Goldsmith (1728–1774) - The citizen of the world, or letters from a Chinese philosopher residing in London to his friends in the east (1762)...begonnen, bis heute nicht über Kapitel 4 hinausgekommen
  • Louis Antoine de Bougainville (1729 - 1811) - Reise um die Welt. Durch die Inselwelt des Pazifik 1766–1769 (1771-72) - (Voyage autour du monde par la frégate du Roi La Boudeuse et la flute l'Etoile en 1766, 1767, 1768, et 1769.)...begonnen...bis heute nicht beendet
  • Denis Diderot (1713 - 1784)Georg Christoph Wagenseil (1715 – 1777) - Nachtrag zu Bougainvilles Reise (1772 / publiziert 1796)...begonnen...bis heute nicht beendet
  • Ford Madox Ford (Joseph Leopold Ford Hermann Madox Hueffer) (1873 – 1939) - Some Do Not (1924)...großartig, meine persönliche Entdeckung des Jahres
  • Wolfram von Eschenbach ( ~1170 – ~1220) - Parzival (zw. 1210 u. 1220)
  • Elliott Bliss (Eileen Norah Lees Bliss) (1903 – 1990) - Luminous Isle (1934)
  • William S. Burroughs (1914 – 1997) - Junkie (1953) 
  • Arthur Machen (Arthur Llewellyn Jones(1863 – 1947) - The White People (1904) 
  • Zadie Smith (*1975) - London NW (2012) 
  • Graham Greene (1904 - 1991) - The End of the Affair (1951) 
  • Graham Greene (1904 - 1991) - Journey Without Maps (1936) 
  • Barbara Greene (1907 - 1991) - Land Benighted (1938) 
  • Tim Butcher (*1967) - Chasing the Devil (2010)
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  • Werner Junge (1905 - ?) - Bolahun - Als deutscher Arzt unter schwarzen Medizinmännern (1950) ... 2020 nicht mehr begonnen
  • George W. Schwab (1876–1955) - Tribes of the Liberian Hinterland (1947) ... 2020 nicht mehr begonnen
  • Hans-Jürgen Massaquoi (1926 – 2013) - Destined to Witness (1999) ... 2020 nicht mehr begonnen 
  • Fatima Massaquoi (1907 - 1991) - The Autobiography of an African Princess (veröffentlicht 2013) ... 2020 nicht mehr begonnen

Graham Greene (1904 - 1991) 


The Quiet American (1955) 
Die schonungslose Darstellung der amerikanischen Agenten und Journalisten fällt schon in den Anfangskapiteln auf...beißender Zynismus des ohnmächtigen Europäers im Angesicht des international wachsenden Einflusses der vereinigten Staaten - immer wieder die Sprachlosigkeit im Angesicht der empfundenen Oberflächlichkeit bei gleichzeitig erschreckender Effektivität.
So viel Zeitgeschichte in dem Werk auch steckt - trotzdem zeitlos und lesenswert.


Graham Greene (1904 - 1991) 

The Comedians (1966) 
Liest man heute einen Roman von Graham Greene, dann kommt schnell der Verdacht auf, dass es sich um Unterhaltungsliteratur von beschränktem Wert handelt.
Die Romane verfügen über eine (nur vordergründig!) "vordergründige" Handlung, häufig geht es um Geheimagenten, Liebesgeschichten, das alles oft in exotischem Ambiente und zu allem Überfluss sind die meisten Romane Greenes dann auch noch für das Kino verfilmt worden. Dafür musste man aber die Story für das amerikanische Publikum mitunter  sogar ins komplette Gegenteil verkehren, wie bei "The Quiet American".
Und Green war noch dazu Katholik - er befasst sich mit Fragen des Glaubens, mit Schuld und (meist ohne) Sühne. Das war zwar in der Zwischenkriegszeit, vor allem in Frankreich, auch gewissermaßen Mode - aber nach dem Verebben dieses Trends in der Nachkriegszeit konnte sich ein Schriftsteller im späten 20. Jahrhundert kaum verdächtiger und verächtlicher machen.
Nimmt sich jemand andererseits einen der Romane auf der Suche nach spannenden "Agentengeschichten" heute noch vor, dann ist der oberflächliche Leser schnell enttäuscht.
Die Handlung läuft oft eher arm an wirklichen Höhepunkten dahin und dient eher als Kulisse für die inneren Konflikte der Antihelden, die der Leser bedauern könnte, wenn sie nicht fast in allen Werken so unsympathisch dargestellt wären. So fällt es dem Leser schwer, Bedauern für sie zu empfinden.
Eine gewisse Verwandtschaft zu Romanen Hemingways kommt in den Sinn - nur ist Greene zynischer, (natürlich) britischer und weiter vom unterhaltsamen Mainstream entfernt.
Nimmt man als Beispiel zwei Romane "The Quiet American" oder "The Comedians" her: biede gelten nicht als Greenes beste Werke, sind aber in ihrer Art überaus bemerkens- und lesenswert.
In beiden agiert ein alternder Antiheld in exotischen Ländern unter widrigen politischen Umständen (Bürgerkrieg bzw. totlitäre Diktatur), kann aber das politische Geschehen nicht im Sinne einer Verbesserung beeinflussen. Und dessen ist er sich voll bewusst. 
Wir finden ihn auf dem trostlosen Boden eines Nihilismus - die Akteure spielen ihre Rollen, sind dem Geschehen aber völlig ausgeliefert. Die Weltgeschichte dreht sich weiter, immer ungerechter, immer brutaler, die Individuen können nur als Opfer enden.
Aber die Opfer sind keine bemitleidenswerten Figuren, denen der Leser Sympathie entgegenbringen kann - sie handeln, so wie sie handeln, getrieben von ihren Leidenschaften, ihren Instinkten, sie intrigieren, verletzen andere und richten immer weiteren Schaden an und stehen den "Bösewichten" darin kaum nach.
Beide Romane enden absurderweise noch dazu mit einer Art Happy End für den Hauptakteur, der sich zuvor so weit herabgelassen hat, seine Nebenbuhler, gegen die er die niedrigsten eifersüchtigen Gefühle entwickelt, mittlels Intrigen aus dem Weg zu räumen.
Tat er das nur aus Eifersucht, Hass und Eitelkeit, oder war die Tat teilweise auch durch den Versuch eine Verbesserung der politischen Lage herbeizuführen motiviert? Man erfährt es nicht, man kann es nicht wissen - wer kennt schon die tiefsten Beweggründe des eigenen Handelns, geschweige denn des Handelns seines Nächsten?
Fest steht nur: die Hauptfigur ist nicht in der Lage die Sicherheit von religiösen oder politischen Überzeugungen zu finden, er ist sich bewusst, nur zu begehren und nicht der Liebe fähig zu sein - und er kann sich nicht einmal schuldig fühlen. Er ist kein Held, er schickt Widersacher in den Tod, er hat angesichts drohender Gefahr Angst, teilweise so sehr, dass er sich z.B. bei einem Übergriff der Geheimpolizei Haitis in "The Comedians" sogar in die Hose uriniert.
Unliebenswürdiger kann man seinen Romanhelden kaum darstellen.
Aber ist er "schuldig"? Der Leser kann auch kaum Schuldhaftigkeit enpfingen. Die Hauptfigur lebt, selbst an den gefährlichsten, exotischsten Orten, ein Leben ohne Tiefen und Untiefen - sie bewegt sich nur auf einer öden Ebene.
Und der Haupakteur beobachtet Leid, in Situationen, die er nicht mehr als außergewöhnlich empfinden kann. 
In "The Comedians" lesen wir, dass "Grausamkeit wie ein Suchscheinwerfer ist"; und der bewegt sich von Ort zu Ort, vom Dritten Reich nach Vietnam, nach Haiti, in den Kongo oder nach Westafrika - Menschen können ihm nur vorübergehend entkommen.
Vor diesem Hintergrund erscheint Greene tiefsinniger als viele sendungsbewusste, marxistische oder aufgesetzt nihilistische Authoren des Zwanzigsten Jahrhunderts, die weit höher im Kurs standen.
Greene war, ist und bleibt "große Literatur".

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Dienstag, 15. Dezember 2020

Notizen Dezember 2020

Notizen Dezember 2020



Barbara Greene (1907 - 1991) 


Land Benighted (1938) 
Begonnen - wie erwartet eine, in ihrer Äußerlichkeit der Darstelllung interessante Ergänzung zu Graham Greenes eher introvertierten "Journey Without Maps".

Über Recherchen zu den Reisebüchern Greens bin ich auf folgende mir beiher unbekannte Werke gestoßen, die ich parallel dazu zu lesen begonnen habe bzw. danach zu lesen plane:


Tim Butcher (*1967) 

Chasing the Devil (2010) 
Mehr als 70 Jahre nach Barbara und Graham Greene folgte der Englische Journalist Tim Butscher der Reiseroute durch Sierra Leone und Liberia...und berichtet darüber...abgesehen von dem interessanten Vergleich über 70 Jahre hinweg finden sich auch einige wertvolle Erläuterungen zu Greenes Reisebericht, da Tim Butcher bei seinen Recherchen auf die Erstausgabe zurückgreifen konnte, die bald nach ihrem Erscheinen vom Markt genommen wurde und heute nicht mehr leicht erhältlich ist.


Werner Junge (1905 - ?) 

Bolahun - Als deutscher Arzt unter schwarzen Medizinmännern (1950) 
Ich bin gespannt, ob es sich bei Dr. Werner Junge um den deutschen Arzt im liberianischen Bolahun handelt, den Barbara Greene zu Beginn ihres Reiseberichts beschreibt...mit dem großen Portrait Adolf Hitlers in seinem Haus und der später in Freetown wieder auftaucht - als vermutlich geistig umnachtet und ernsthaft verletzt, nachdem er aus nicht nachvollziehbaren Gründen versucht hatte, sich selbst am Hals zu operieren.


George W. Schwab (1876–1955)

Tribes of the Liberian Hinterland (1947) 
Ein Werk eines Presbyterianischen Missionars, der ethnologische Studien in Liberia anstellte, das von George Way Harley herausgegeben wurde, dem wiederum Barbara und Graham Greene während ihrer Reise durch Liberia in den 1930er Jahren begegneten.



Hans-Jürgen Massaquoi (1926 – 2013)
 

Destined to Witness (1999) 
Die Autobiographie des 1926 als Sohn einer deutschen Mutter und des Sohnes des Liberianischen Botschafters in Hamburg geborenen Mannes, der Kindheit und Jugend im Deutschland des Nationalsozialimus und des Zweiten Weltkriegs verbrachte, für einige Nachkriegsjahre nach Liberia emigrierte und ab den 50er Jahren seine neue Heimat in den USA fand, wo er Karriere als erfolgreicher Journalist machte.


Fatima Massaquoi (1907 - 1991) 

The Autobiography of an African Princess (veröffentlicht 2013) 
Hans-Jürgen Massaquois Tante über ihre Kindheit in Afrika, Ihre Schul-, Jugend- und Studienzeit in Deutschland und den USA und ihre Rückkehr nach Liberia.



Montag, 9. November 2020

Notizen November 2020

Notizen November 2020




Graham Greene (1904 - 1991) 


The End of the Affair (1951) 
Greene war vermutlich zu populär, darum wurde ihm nicht die höchste künstlerische Anerkennung zuteil - The End of the Affair ist jedenfalls ein großes Werk, das sich neben Mauriac und Green, an die es mich stark erinnert hat, verstecken muss.
Greene wühlt hier tief in menschlichen Beziehungen herum, streift Themen wie Schuld, Religiosität und bleibt dabei streckenweise unerhaltsam...teilweise verliert man als Leser den Faden im etwas lose komponierten Ablauf der äußeren Ereignisse.
Ich halte The Heart of the Matter weiterhin für Greenes überzeugenstes Buch, trotzdem ist The End of an Affair lesenswert.

Graham Greene (1904 - 1991) 

Journey Without Maps (1936) 
Und gleich nochmal Greene - Reisebericht, sein frühes Werk...in einen der damals gefährlichsten Landstriche der Welt, Liberia und Sierra Leone Später folgten ungefähr 30 Jahre Aufschwung in Liberia, bis das Land gegen Ende des 20. Jahrhunderts wieder in Bürgerkrieg versank. 
Bin vor allem an dem so oft beschworenen Unterschied zu der Reisebeschreibung seiner Cousine, Barbara Greene interessiert - weshalb ich ihr Buch anschließend lesen werde.


Greenes "Journey Without Maps" hat mich doch sehr überrascht...wer einen Reisebericht reich an Fakten und Berichten von äußeren Erlebnissen erwartet, wird wohl eher enttäuscht sein. 
Greene schreibt fast mehr über sich, seine Erwartungen, Stimmungen und seine Entwicklung, sodass das Werk eben sosehr als eine Reise in sein Inneres wie als Reise in das Landesinnere dieses damals Europäern weitgehend unbekannten Landes aufgefasst werden kann.
Die Landkarte Liberias zeigte damals an vielen Stellen, die Green durchreiste, die berühmten buchstäblich "weiße Flecken" einer "Terra Incognita"... jedenfalls unbekannt der europäischen Sicht.
Obwohl manche Stellen dem heute an feinsten Nuancen der Kritik an "Eurozentrismus" und Diskussionen um "Political Correctness" geschulten Westeuropäer auf den ersten Blick etwas befremdlich erscheinen müssen - speziell die Passagen an denen Greene immer wieder von "ungeheuerlichem Dreck" und Krankheit spricht, ohne weiter ins Detail zu gehen - zeichnet er doch ein Bild das meist überraschend wenig wertet, selten urteilt und von einem großen Maß an Empathie geprägt zu sein scheint, ohne die tatsächliche und unvermeidbare, Distanz eines Europäers der 1930er Jahre, der Afrika das erste Mal besucht, und Menschen, die ihren Lebensraum im Landesinneren noch nie verlassen haben, leugnen zu wollen.
Speziell Greenes Unbehagen über seine "Befehlshoheit" über die afrikanischen Träger, Diener und Köche, die er fair bezahlen will, aber nicht überbezahlen darf, um nicht Unfrieden heraufzubeschwören, scheint immer wieder liebenswert durch.
Erst zu Ende des Buchs kommt Greene auf die historischen und politischen Rahmenbedingungen seiner Reise zu sprechen, nicht ohne die Rolle der europäischen Kolonialmächte sowie des Firestone Konzerns scharf zu kritisieren, die allesamt ihre Begehrlichkeiten auf diesen einzigen damals noch nicht okkupierten Landstrich Westafrikas richteten.
Bemerkenswert ist, dass Greene nach tatsächlichen Gesprächen mit lokalen Politikern und Militärs die britischen "Horror-Berichte" über Massaker von liberianischen Truppen an der Bevölkerung als substanzlos und eher unglaubwürdig erscheinen lässt, wenn er dem Oberbefehlshaber der Armee in seinem Buch eine Plattform gibt, auf der dieser sich als unschuldig darstellen kann... wobei sich Greene aber nicht anmaßt, die exakten historischen Fakten rekonstruieren zu können.
Inwieweit er in diesem Punkt differenzierter urteilte als die offiziellen Berichte der englischen Verwaltung oder ob er dem Charme des militärischen Oberbefehlshabers von Ex-Präsident King aufgesessen ist, mit dem er eine einen langen Abend verbracht hat und eine Menge Whiskey geteilt zu haben schient, ist schwer nachzuvollziehen.
Insgesamt ein faszinierendes Buch, besonders, wenn man Graham Greene mag, und das an vielen Stellen aufgeklärter und modernen erscheint als vieles, das nach Greene über Afrika geschrieben wurde.
Nur an wenigen Stellen lässt er sich zu bissigen Kommentaren zur lokalen einheimischen Regierung bzw. der "Kaste" der Verwaltungsbeamten herab...um umgekehrt das "ursprüngliche", vom Kolonialismus beinahe unberührte Afrika zu verklären.
Es sind aber nur wenige Passagen und da speziell seine Kritik an der lokalen Elite der Verwaltungsbeamten in Sierra Leone, die aus heutiger Sicht untragbar und erscheinen geradezu rassistisch erscheinen und auch der erwähnte romantisierende Gegensatz zwischen "unberührten" Eingeborenen und "von westlicher Zivilisation verdorbenen" Bevölkerungsschichten folgt einem altertümlichen Topos und wirkt heute stellenweise naiv.
Für Leser, die einen Reisebericht mit Fakten und der Schilderung möglichst vieler Abenteuer erwartet, wird das Werk wahrscheinlich etwas enttäuschend sein. 
Befremdlich auch, dass Greene seine Cousine Barbara zwar nie negativ erwähnt, aber immer nur am Rande von ihr geradezu "nicht spricht" und sie in seltsam anmutenden Varianten von "wir" versteckt. Beinahe wie eine Tatsache, ein Detail, das man nicht ganz verschweigen will, aber auch in keinem Satz ausdrücklich erwähnt.
Darum bin ich auf den Bericht seiner Reisegefährtin, Barbara Greene, "Land Benighted" aus dem Jahre 1938 gespannt...

Montag, 12. Oktober 2020

Notizen Oktober 2020

Notizen Oktober 2020




Arthur Machen (Arthur Llewellyn Jones(1863 – 1947)) 


The White People (1904) 
Eine der zahlreichen Geschichten, die am Übergang aus der Decadance zur "Horror-Literatur" im Dunstkreis esoterischer Geheimorden und deren Fixierung auf magische Praktiken um die Wende zum Zwanzigsten Jahrhundert entstanden sind und heute noch unter dem Gesichtspunkt gelesen werden, Lovecraft beeinflusst zu haben...die Einleitung enthält jedenfalls einen anregende Diskussion über Sünde, das Böse und das Hauptkapitel den nicht unoriginellen Versuch das Abdriften in "die Welt des Magischen" aus der Innenperspektive eines Kindes darzustellen.


Zadie Smith (*1975)

London NW (2012) 
Durch Zufall bin ich wieder auf dieses Buch gestoßen...obwohl ich aktuell kein spezielles Interesse an dem Themenkreis hatte, zieht Smith' Erzählweise in den Bann.
Diese nicht urteilende, nicht beurteilende Vorführung ihrer Charaktere, so distanziert, aber trotzdem mit so viel Interesse, fast Empathie ohne schales Mitleid - "Erzählen" im besten Sinne - zieht mich immer wieder bei Autoren wie Dostojewski, Gide, du Gard oder in neuerer Zeit bei O'Hagan so an.
Allerdings bemerkt man bei Smith deutlich, wo die eigenen Erfahrungen liegen, ihre Stärke liegt dort, wo sie diese in der Zeichnug ihrer Figuren einbringen kann. Insofern ist die Schilderung Natalies am überzeugensten, Leah ergibt noch deutlches Bild, die männlichen Figuren wie Feix Cooper und speziell Nathan Bogle flachen dann sehr stark ins Schablonenhafe ab.
Trotzdem ein mehr als lesenswertes Buch.



Dienstag, 22. September 2020

Notizen September 2020

Notizen September 2020



William S. Burroughs (1914 – 1997)


Junkie (1953) 
begonnen...nachdem das Buch schon über 15 Jahre in meinem Bücherregal steht...eigentlich enttäuschend nach Nova Express oder Naked Lunch. Eine ausführliche Schilderung von Episoden aus dem Leben von Kriminellen, Kleinkriminellen und Drogensüchtigen im New York der 1940er Jahre...da mich das Sujet weder verschreckt noch beeindruckt - sachlich betrachtet eher langweilig.


Elliott Bliss (Eileen Norah Lees Bliss) (1903 – 1990)

Luminous Isle (1934)
...wieder hintangestellt...und wieder begonnen...


Pietro Metastasio, d.i. Pietro Antonio Domenico Bonaventura Trapassi (1698 - 1782)

Achille in Sciro (Opern-Libretto 1736) 


Franz Schubert (1797 - 1828)

Klavierstücke in e-flat minor for Piano D946 (1953) 


Ludovico Ariosto (1474 - 1533)

Orlando Furioso (1516)
24. Gesang
Nach einem kurzen Exkurs über den "Wahnsinn der Liebe" erfahren wir, dass Roland weiterhin "rast", sich Rüstung und Kleidung von Leib gerissen hat, Hirten und Bauern terrorisiert, das Vieh attackiert, mit übermenschlicher Kraft Bäume entwurzelt und einem Mann einfach den Kopf abreißt.
Zerbin und Isabella begegnen Oderich, der sie betrogen hat. Dieser verteidigt sich mit seiner Schwäche aus Liebe und Zerbin beschließt ihn nicht zu töten.
Da in dem Moment "die Alte", die Zerbin verraten hatte gerade auf einem Pferd ohne Zügel vorbeigalloppiert, nimmt Zerbin sie gefangen und verurteilt Oderich dazu, sie ein ganzes Jahr mit sich zu führen und sie zu beschützen - in der Annahme, dass das die beiden ins Verderben stürzen wird...
Tatsächlich erhängt Oderich "die Alte" schon am nächsten Tag und wird später selber gehängt.
Zerbin zieht weiter und findet die Waffen Rolands. Ein Bauer erzählt ihm, was pasiert ist.
Zerbin sammelt Rolands Waffen (u.a. das Schwert "Durendal") und hängt sie mit der Rüstung an einen Baum.
Flordelis stößt zu ihnen, auf der Suche nach Brandmarte, das sie ein halbes Jahr in der Kaiserstadt geblieben ist, nachdem Brandimarte geflohen war.
Da erscheint der Sarazenenritter Mandrikard und nimmt sich das Schwert "Durendal". Zerbin möchte den Diebstahl verhindern und ein erbitterter Kampf zwischen den beiden beginnt.
Doralis bringt die Kämpfenden zwar dazu ihre Auseinandersetzung zu beenden, aber für Zerbin, dem Mandrikard bereits tödliche Wunden zugefügt hat, ist es zu spät: Er stirbt in den Armen Isabellas.
Sie möchte sich selbst das Leben nehmen, aber ein Eremit kommt vorbei und überredet sie am Leben zu bleiben. 
So beschließt sie, den Rest ihres Lebens im Kloster zu verbringen und der Eremit begleitet sie und die Leiche Zerbins in die Provence.
Mandrikard hat sich nach dem Kampf mit Zerbin ins Gras gelegt, aber da erscheint Rodomont und sie beginnen einen heftigen Zweikampf zwischen den beiden Sarazenenrittern um die Jungrau Doralis, die Mandrikart Rodomont geraubt hat.
Schließlich kommt ein Bote, der berichtet, dass das Sarazenenheer unter schwerer Bedrängnis und dem Christenheer schon fast unterlegen ist.
Doralis überzeugt die Streitenden ihren Kampf zu beenden und sich zum Heer der Sarazenen zu begeben, um dieses zu unterstützen.