Freitag, 2. März 2018

Notizen März 2018



Johann Anton Fils (1733 - 1760)

Symphonie in D-Dur (1760)

z.B.: https://www.youtube.com/watch?v=Nf_ECSBOjPI

Cellokonzert
Cellokonzert G-Dur Libretto vorhanden
Sonate
Sonates pour le violoncelle et basse continue, ou le violon seul et basse op. 5
Symphonien
Six symphonies à 4 parties op. 1
Sei sinfonie per orchestra op. 2
Triosonaten
Triosonate C-Dur op. 3 Nr. 1
Triosonate A-Dur op. 3 Nr. 2
Triosonate B-Dur op. 3 Nr. 3
Triosonate f-Moll op. 3 Nr. 4
Triosonate Es-Dur op. 3 Nr. 5

Triosonate D-Dur       op. 3 Nr. 6


Noch immer lese ich an Vernon Subutex...trage mich mit dem Gedanken Zola's Nana (1880) wiederzulesen...zuerst/zuletzt 2001 gelesen...hat mich von Zola's Roman-Zyklus vor ca 20 Jahren beinahe am meisten beeindruckt, neben Die Beute, Das Werk und Das Geld...
...habe tatsächlich wieder begonnen Nana zu lesen...mir macht das Buch weit weniger Eindruck als ich in Erinnerung hatte...Kapitel 1 ist der typische "Zola-Auftakt", nicht so schmerzhaft impressionistisch wie "Das Paradies der Damen" aber doch langwierig...erscheint fast wie ein nacherzähltes Drama...im Kapitel 2 dann fast wie die Nacherzählung einer Posse...ich finde bei Zola weniger Naturalismus als ein Oszillieren zwischen impressionistischer Szenen-Malerei und materialistisch-sozialistisch inspirierter Gesellschaftskritik.



Telemann, Georg Philipp (1681-1767)

Concerto D-Dur


Kreutzer, Rodolphe (1766-1831)

Violinkonzert Nr. 15 A-Dur
























Donnerstag, 8. Februar 2018

Notizen Februar 2018



Marion Poschmann (1969)

Die Kieferninseln (2017)

Hat mich zu Beginn geradezu begeistert - mein Interesse ist mit der Buchmitte allerdings deutlich gesunken...trotzdem sehr lesenswert...und doch kurzweilig, da...kurz...hält aber auf den etwa 160 Seiten nicht, was es auf den ersten 20 verspricht...







Wie zu jedem Geburtstag seit meinem denkwürdigen dreißigstem: 

Ludwig van Beethoven (1770 - 1827)

Streichquartett Nr. 15 in a-Moll op. 132 (1825)

...in meiner bevorzugten Aufnahme des Alban Berg Quartetts aus dem Jahre 1983:

https://www.youtube.com/watch?v=kiVbMB6iLPc



Sergej Ljapunow (1859 - 1924)

12 Etudes d' exécution  transcendante op.11 (1897 - 1905)

...völlig neu für mich entdeckt - auch,wenn es sich eher nur um eine Fußnote zu Liszt handelt sehr unterhaltsame Musik...speziell die Nummer 6, Tempête (https://www.youtube.com/watch?v=LeKQ7c91wGQ).

Alle 12 Stücke z.B.: https://www.youtube.com/watch?v=Zs2n9tf7VQU




Ludwig van Beethoven (1770 - 1827)

Violinkonzert D-Dur op. 61 (1806)


...neu - wiederentdeckt:

https://www.youtube.com/watch?v=0qlcIdFd8X4



Weitere Notizen:

Lafcadio Hearn (1850 - 1904) - Gespenstergeschichten aus Japan gekauft...
Lyrik von Rimbaud (eine neue Ausgabe seiner Korrespondenz ist beiMatthes & Seitz erschienen, mehr als 2200 Seiten...),  Saigyo und Basho
In Sommer 1914 aud die "Paris-Kanone" und die Riesenflugzeuge und damals völlig neuartigen Brandbomben gestoßen...Erinnerung an Vernes' "Die 500 Millionen der Begum"... Ein erster Versuch bei Besuch des Japanischen Gartens in Oberlaa:

Schmelzwasser tropft
Im schneebedeckten Garten
Fern scheint der Frühling


Georges de la Tour (1593 - 1652)


...alle ugeschriebenen Werke:

https://www.wikiart.org/de/georges-de-la-tour/all-works/text-list









Mittwoch, 24. Januar 2018

Notizen Jänner 2018

Notizen Jänner 2018




Roger Martin du Gard (1881-1958)


Les Thibaults - Epilog

...mittlerweile beim letzten Band des Romanzyklus "Les Thibaults" angelangt...das Sterben Antoine Thibaults...



Yukio Mishima (1925 - 1970)

Eine schillernde Figur...mehr als erstaunlich ist allerdings, dass Mishima so viel internationale Anerkennung zu teil wurde...genau genommen ist diese Figur nicht liebenswürdig neurotisch, sondern nationalistisch, militant und sein Verhalten politisch nach heutigen Richtlinien einfach untragbar...interessant, dass man hier über so viel hinweggesehen hat...die körperliche Schwäche, der Wunsch Krieger zu sein...erinnert etwas an Nietzsche...

BBC Dokumentation aus 1985: https://www.youtube.com/watch?v=Ctufj50w9a0


Liste der Bücher, die ich 2017 gelesen habe:

  • Heinrich Zschokke (1771 - 1848) - Das Abenteuer in der Neujahrsnacht (1818)
  • Teju Cole (*1975) - Known And Strange Things (2016) - nach 2 Kapiteln abgebrochen...
  • John Le Carre (*1931) - Der Taubentunnel (2016)
  • Robert William Chambers (1865 – 1933) - The King in Yellow (1895)
  • Charles Pierre Baudelaire (1821 - 1867) - Le Spleen de Paris (1869)
  • Lady Caroline Lamb (1785 – 1828) - Glenarvon (1816) - nach wenigen Seiten abgebrochen...
  • ...wegen...
  • Jonas Lüscher (geb. 1976) - Kraft (Roman 2017) ... der unterhaltsamste Gegenwartsroman, den ich in dem letzten Jahren gelesen habe!
  • Saul Bellow (1915-2005) - Herzog (1965) - nach wenigen Kapiteln weggelegt...
  • ...wegen...
  • Milan Kundera - Die unerträgliche Leichtigkeit der Seins (1984)
  • Algernon Blackwood (1869 - 1951) - Die Weiden (1907)
  • Roger Martin du Gard (1881 - 1958) - Sommer 1914 (1935-1936) ... großartig, mein persönlicher Favorit des Jahres. 
  • Rainer Maria Rilke (1875 - 1926) - Duineser Elegien - haben mir diesmal starken Eindruck gemacht...
  • Voltaire - Die neue Semiramis...nur ein paar Seiten...
  • Virginie Despentes (*1969) - Das Leben des Vernon Subutex (2015)
  • Schriften zu König Salomon - AT, kanonisch und apokryphe...
  • Arthur Conan Doyle (1859-1930) - Memoires And Adventures And Western Wanderings...begonnen aber zugunsten Sommer 1914 zurückgelegt...



Sonntag, 3. Dezember 2017

Notizen Dezember 2017


Arthur Conan Doyle (1859-1930)

Memoires And Adventures And Western Wanderings

...begonnen...parallel zu Sommer 1914...





Aus 2016:

Herbst

Noch reifen
Schwarze Beeren an den Hängen der Berge
Während im Tal schon die Blätter welken.
Wanderer ziehn durch die Länder -
Ohne Ziel -
Kinder schreien in Träumen auf,
Männer gehen beständig vorwärts,
Entschlossen und gedächtnislos,
Während Frauen in den kalten Nächten
Immer wieder die Zeiten schauen,
Gesichte der Nacht, die wiederkehren
Und die Tage vergiften.

Grillen singen noch spät in der Nacht,
Aussichtslos, stark, doch gegen die Zeit
Wie einst auf der wuchernden Stätte
Zwischen schlafenden Pferden und den jagenden Katzen.
Die nahenden Schritte Trunkener
Verscheuchten die suchenden Igel
Und Lachen hallte
Durch die Nacht der Natur...
Wo heute nur mehr hohe Mauern 
Kahl auf den Winter warten -
Nichts ist geblieben.


Okt 2016



Brad's Status - 2017 (Mike White)














While We're Young - 2014 (Noah Baumbach)














The Meyerowitz Stories (New and Selected) - 2017 (Noah Baumbach)















Ludwig van Beethoven / Franz Liszt

Beethoven Symphonien, S.464 

Symphonie No.4 in B Dur, Op.60
z.B: https://www.youtube.com/watch?v=EPtdEaS3kP4

Symphonie No.7 in A Dur, Op.92

z.B:  https://www.youtube.com/watch?v=vl6_aJU0S4M



Joseph Haydn (1732-1809)

Symphony No. 39 in G minor, Hob. I:39 (1767/68)

Allegro assai
Andante
Menuet & Trio
Finale. Allegro di molto

z.B.: https://www.youtube.com/watch?v=Afqy_QPZlTw


Ludwig van Beethoven (1770 - 1827)

Sonate Nr. 1 f-Moll op. 2 Nr. 1
Erster Satz: Allegro / f-Moll alla breve, 152 Takte
Zweiter Satz: Adagio / F-Dur 3/4 Takt, 61 Takte
Dritter Satz: Allegretto / f-Moll/F-Dur 3/4 Takt, 73 Takte
Vierter Satz: Prestissimo / f-Moll alla breve, 196 Takte

z.B. Richter 1976: https://www.youtube.com/watch?v=X4KGTrk9ah42017 (Noah Baumbach)





Jacques Cazotte 
(1719 – 1792)

Le Diable amoureux (1772)


z.B. in deutscher Übersetzung: http://gutenberg.spiegel.de/buch/biondetta-der-verliebte-teufel-7361/

Mittwoch, 8. November 2017

Notizen Novernber 2017


Virginie Despentes (*1969)


Das Leben des Vernon Subutex (2015)

Teil 1 - immer wieder werden Parallelen zwischen Despentes und Houellebecq beschworen - mit seiner etwas einseitigen Millieudarstellung erinnert mich das Werk viel mehr an den frühen Beigbeder - Houellebecq ist der gundsätzlichere Denker.

Trotzdem ein sehr lesenswertes Buch...der Abgesang auf eine Generation, für die in einer globalisierten Welt kein Platz mehr zu sein scheint...


 






Roger Martin du Gard (1881 - 1958)

Sommer 1914 (1935-1936)

Trotzdem fortgesetzt...sehr lesenswert ist das Streitgespräch zu Wehrpflicht und Wehrdienstverweigerung in Kapitel 61...










Sammlung von Schriften zu König Salomon

https://www.bibleserver.com/text/11002000

https://www.bibleserver.com/act.php?text_ref=14001000

http://www.gnosis.org/naghamm/adam-barnstone.html

http://www.esotericarchives.com/solomon/testamen.htm

https://archive.org/details/psalms_odes_solomon_0902_librivox


https://archive.org/details/odespsalmsofsolo02harruoft

https://archive.org/details/dieodensalomossy00grim


 

Freitag, 6. Oktober 2017

Notizen Oktober 2017



Roger Martin du Gard (1881 - 1958)

Sommer 1914 (1935-1936)

Fortgesetzt...aktuell Kapitel 47...interessant klingt auch 


Thomas Lehr (*1957)

Schlafende Sonne (2017)

https://www.perlentaucher.de/buch/thomas-lehr/schlafende-sonne.html




Fresken der Martinskapelle Bregenz (~1362 ~ 1420)



Karlskirche Volders 

Hippolyt Guarinoni (1571 - 1654)




George Onslow (1784 - 1853)

Symphonie No. 3 in F moll (1834)

z.B.: https://www.youtube.com/watch?v=9OtPN2ef1tY




Voltaire

Die neue Semiramis 

https://www.loc.gov/resource/musschatz.14309.0/?sp=3

Samstag, 9. September 2017

Notizen September 2017



Roger Martin du Gard (1881 - 1958)

Sommer 1914 (1935-1936)

Nachdem ich von Les Thibaults, einem Buch, das ich vor ca. 30 Jahren antiquarisch gekauft habe, die Bücher 1 - 6 im Winter 2014/15 gelesen habe (http://magicosblog.blogspot.co.at/2015/02/), mit dem monumentalen Sommer 1914/Epilog begonnen.

Die ersten Kapitel mit der detaillierten Schilderung der Diskussionen des sozialistischen Zirkels etwas mühsam...vielleicht auch, weil ich eine Aversion gegen selbstgefällige Revolutionäre habe, doch mit der Wiederaufnahme des Handlungsstrangs, der in Paris lokalisiert ist, wieder im Bann Du Gards...ich denke, dass das Werk im deutschsprachigen Raum so gut wie nicht mehr gelesen wird. Ich besitze genau diese Ausgabe aus dem Wiener Paul Szolnay Verlag aus dem Jahr 1951


Speziell in den Kapiteln 15 und 17 sind überaus interessante Gedanken zum bevorstehenden Weltkrieg (15) sowie zum Spannungsfeld von Kapitalismus und Sozialismus in den Diskussionen zwiscchen dem bürgerlichen Antoine und seinem revolutionären Bruder Jaques dargestellt.
Speziell die Gedanken zum Kapitalismus wirken heute, etwas einhundert Jahre später, beunruhigend aktuell...verblüffend ist folgende Passage, wenn man an die jüngste Wahl zum amerikanischen Präsidenten Trump und die Gerüchte rund um Manipulationen über Social Media aus Russland denkt: 

"Weiß du denn was für Summen der russische Geheimfonds an unsere Presse für die Kriegspropaganda in Frankreich anweist, weißt du, dass diese Millionen Rubel, die dazu dienen, die französische öffentliche Meinung zu kaufen, nicht bloß mit der zynischen Zustimmung der französischen Regierung ausgegeben werden, sondern daß sie an dieser Ausgabe tätig und täglich mitschuldig ist?"

Bin bei erneuter Auseinandersetzung mit Rilke auf seine überdeutlich antidemokratischen und prä-faschistischen Aussagen gestoßen...hätte er noch 20 Jahre länger gelebt, hätte er wohl einen eindeutigen Weg eingeschlagen.
Wieder wurde mir bewusst wie nahe viele der Denker, die ich am höchsten schätze dem Nationalsozialismus standen...z.B. Schadewaldt, Liebrucks, Heintel, ...die Grenze zwischen Zwang, Opportunismus und Überzeugung ist hier genau zu betrachen - sofern das heute noch möglich ist. Liebrucks scheint sich vorerst wohl nur dem Zwang gebeugt zu haben und hat aufgrund opositioneller Umtriebe dann auch Sanktionen zu spüren bekommen - wenn auch harmlose...Heintel scheint reiner Opportunist gewesen zusein, bei Schadewaldt bin ich mir nicht so sicher...


Schnell assoziiert fallen als verbindende geistesgeschichtliche Elemente bei den genannten Nietzsche, Antikes Denken, Hölderlin ein...ganz ähnlichwie bei Heidegger, der politisch wohl eindeutiger Stellung bezog, dessen Gedanken ich allerdings auch philosophisch in keiner Weise nachvollziehen kann.

Rilkes Sprachkunst muss jedenfalls unbestritten bleiben...

Rainer Maria Rilke (1875 - 1926)

1. Duineser Elegie (1912)

WER, wenn ich schriee, hörte mich denn aus der Engel
Ordnungen? und gesetzt selbst, es nähme
einer mich plötzlich ans Herz: ich verginge von seinem
stärkeren Dasein. Denn das Schöne ist nichts

5
als des Schrecklichen Anfang, den wir noch grade ertragen,
und wir bewundern es so, weil es gelassen verschmäht,
uns zu zerstören. Ein jeder Engel ist schrecklich.
Und so verhalt ich mich denn und verschlucke den Lockruf
dunkelen Schluchzens. Ach, wen vermögen

10
wir denn zu brauchen? Engel nicht, Menschen nicht,
und die findigen Tiere merken es schon,
daß wir nicht sehr verläßlich zu Haus sind
in der gedeuteten Welt. Es bleibt uns vielleicht
irgendein Baum an dem Abhang, daß wir ihn täglich

15
wiedersähen; es bleibt uns die Straße von gestern
und das verzogene Treusein einer Gewohnheit,
der es bei uns gefiel, und so blieb sie und ging nicht.
O und die Nacht, die Nacht, wenn der Wind voller Weltraum
uns am Angesicht zehrt –, wem bliebe sie nicht, die ersehnte,

20
sanft enttäuschende, welche dem einzelnen Herzen
mühsam bevorsteht. Ist sie den Liebenden leichter?
Ach, sie verdecken sich nur miteinander ihr Los.
Weißt du’s noch nicht? Wirf aus den Armen die Leere
zu den Räumen hinzu, die wir atmen; vielleicht daß die Vögel

25
die erweiterte Luft fühlen mit innigerm Flug.

Ja, die Frühlinge brauchten dich wohl. Es muteten manche
Sterne dir zu, daß du sie spürtest. Es hob

[8]
sich eine Woge heran im Vergangenen, oder
da du vorüberkamst am geöffneten Fenster,

30
gab eine Geige sich hin. Das alles war Auftrag.
Aber bewältigtest du’s? Warst du nicht immer
noch von Erwartung zerstreut, als kündigte alles
eine Geliebte dir an? (Wo willst du sie bergen,
da doch die großen fremden Gedanken bei dir

35
aus und ein gehn und öfters bleiben bei Nacht.)
Sehnt es dich aber, so singe die Liebenden; lange
noch nicht unsterblich genug ist ihr berühmtes Gefühl.
Jene, du neidest sie fast, Verlassenen, die du
so viel liebender fandst als die Gestillten. Beginn’

40
immer von neuem die nie zu erreichende Preisung;
denk: es erhält sich der Held, selbst der Untergang war ihm
nur ein Vorwand, zu sein: seine letzte Geburt.
Aber die Liebenden nimmt die erschöpfte Natur
in sich zurück, als wären nicht zweimal die Kräfte,

45
dieses zu leisten. Hast du der Gaspara Stampa
denn genügend gedacht, daß irgendein Mädchen,
dem der Geliebte entging, am gesteigerten Beispiel
dieser Liebenden fühlt: daß ich würde wie sie?
Sollen nicht endlich uns diese ältesten Schmerzen

50
fruchtbarer werden? Ist es nicht Zeit, daß wir liebend
uns vom Geliebten befrein und es bebend bestehn:
wie der Pfeil die Sehne besteht, um gesammelt im Absprung
mehr zu sein als er selbst. Denn Bleiben ist nirgends.

Stimmen, Stimmen. Höre, mein Herz, wie sonst nur

55
Heilige hörten: daß sie der riesige Ruf

[9]
aufhob vom Boden; sie aber knieten,
Unmögliche, weiter und achtetens nicht:
so waren sie hörend. Nicht daß du Gottes ertrügest
die Stimme, bei weitem. Aber das Wehende höre,

60
die ununterbrochene Nachricht, die aus Stille sich bildet.
Es rauscht jetzt von jenen jungen Toten zu dir.
Wo immer du eintratst, redete nicht in Kirchen
zu Rom und Neapel ruhig ihr Schicksal dich an?
Oder es trug eine Inschrift sich erhaben dir auf,

65
wie neulich die Tafel in Santa Maria Formosa.
Was sie mir wollen? Leise soll ich des Unrechts
Anschein abtun, der ihrer Geister
reine Bewegung manchmal ein wenig behindert.

Freilich ist es seltsam, die Erde nicht mehr zu bewohnen,

70
kaum erlernte Gebräuche nicht mehr zu üben,
Rosen, und andern eigens versprechenden Dingen
nicht die Bedeutung menschlicher Zukunft zu geben;
das, was man war in unendlich ängstlichen Händen,
nicht mehr zu sein, und selbst den eigenen Namen

75
wegzulassen wie ein zerbrochenes Spielzeug.
Seltsam, die Wünsche nicht weiterzuwünschen. Seltsam,
alles, was sich bezog, so lose im Raume
flattern zu sehen. Und das Totsein ist mühsam
und voller Nachholn, daß man allmählich ein wenig

80
Ewigkeit spürt. – Aber Lebendige machen
alle den Fehler, daß sie zu stark unterscheiden.
Engel (sagt man) wüßten oft nicht, ob sie unter
Lebenden gehn oder Toten. Die ewige Strömung

[10]
reißt durch beide Bereiche alle Alter

85
immer mit sich und übertönt sie in beiden.

Schließlich brauchen sie uns nicht mehr, die Früheentrückten,
man entwöhnt sich des Irdischen sanft, wie man den Brüsten
milde der Mutter entwächst. Aber wir, die so große
Geheimnisse brauchen, denen aus Trauer so oft

90
seliger Fortschritt entspringt –: könnten wir sein ohne sie?
Ist die Sage umsonst, daß einst in der Klage um Linos
wagende erste Musik dürre Erstarrung durchdrang,
daß erst im erschrockenen Raum, dem ein beinah göttlicher Jüngling
plötzlich für immer enttrat, die Leere in jene

95
Schwingung geriet, die uns jetzt hinreißt und tröstet und hilft.



Frrsken der Martinskapelle Bregenz (~1350-1497)

http://wh1350.at/de/literatur-und-quellen/die-fresken-der-kapelle-vom-martinsberg-vlbg/